Archiv für den Monat: November 2013

Der Weg zum Meister …

… ist (fast) geschafft. Nach meinen beiden ersten „Ausflügen“ (hier nachzulesen: schriftliche Prüfung, praktische Prüfung) war ich letzten Montag zum letzten Mal in Innsbruck um die mündliche Prüfung abzulegen. Diesmal reiste ich wieder alleine, jedoch durfte ich mir ausnahmsweise das Hotel selber aussuchen und entschied mich nach meinen bisherigen Erfahrungen wieder für das Hotel Innsbruck.

Und nachdem es beim ersten mal auch schon so gut geklappt hat, fuhr ich bereits am Sonntag wieder mit der ÖBB von Wien Westbahnhof direkt nach Innsbruck. Das hat zwei wesentliche Vorteile:

  1. Zum einen konnte ich während der Zugfahrt noch ein letztes Mal meine Unterlagen zu Gemüte führen. Ich hatte mir vor der Anreise viele Videos von Youtube auf mein IPad geladen und habe mir so die Geschichte der Fotografie auf eine unterhaltsame Art und Weise in Erinnerung gebracht. Ich wusste, dass besonders in Innsbruck großen Wert auf die Geschichte der Fotografie gelegt wird.
  2. Zum anderen kann man mit dem Zug keinen Strafzettel wegen Geschwindigkeitsübertretung bekommen … aber das ist eine andere Geschichte 😉

Gut in Innsbruck angekommen, ging ich zum Hotel und ackerte mich ein aller letztes Mal durch meine Lernunterlagen. Am Abend besuchte ich dann noch den Innsbrucker Christkindlmarkt, welcher meiner Meinung nach viel schöner und gemütlicher ist als die meisten Christkindlmärkte in Wien. Eine absolute Empfehlung von mir.

Die Nacht war entsprechend der Nervosität kurz und als ich in der Früh aufstand, war ich mir nicht einmal sicher ob ich überhaupt geschlafen hatte. Nach einem kurzen Frühstück hab ich mich in Schale geworfen und bin dann mit dem Taxi Richtung Wifi gefahren. An diesem Tag sind 8 Prüflinge zum mündlichen Teil der Meisterprüfung angetreten. Jeder Prüfling wurde einzeln in den Prüfungsraum gebeten um die Prüfung abzulegen. Ich war an dritter Stelle und musste somit ca. 2 1/2 Stunden warten, bis ich endlich in den Prüfungsraum durfte.

Die Prüfung läuft wie folgt ab:

  • Zuerst sehen sich die 3 Prüfer die Prüfungsaufgaben vom praktischen Teil an und diskutieren ob die Fotos eines Meisters würdig sind. Dies passiert noch, bevor der Prüfling den Raum betritt. Meine persönliche Einschätzung ist, dass die Beurteilung hauptsächlich auf technischen Aspekten beruht da diese meiner Meinung nach noch am ehesten „fair“ beurteilt werden können. Wobei man hier wirklich die Prüfungskommission in Innsbruck besonders loben muss. Wenn ein Prüfung einen Stil Abseits des Mainstreams hat, die Fotos technisch einwandfrei sind, bekommt man in Innsbruck trotzdem eine faire Chance.
  • Danach wird der Prüfling in den Raum gebeten.
  • Bevor es zu den eigentlichen Fragen kommt, erkundigen sich die Prüfer, welchen Zugang man zu der Fotografie hat, welche Ausbildung in Bezug auf die Fotografie absolviert wurde und warum man überhaupt die Meisterprüfung machen möchte. Das Gespräch ist sehr ungezwungen und es scheint die Prüfer auch wirklich zu interessieren.
  • Sobald dann die erste Nervosität sich gelegt hat, beginnen die Prüfer der Reihe nach Fragen zu stellen. Im Wesentlichen sind es Fragen aus allen Bereichen der Fotografie: verschiedene Aufnahmesituationen erklären, rechtliche Fragen aber eben auch Fragen über die Geschichte der Fotografie. Wenn sie mit den Fotos von der praktischen Aufgabe zufrieden sind, werden diese kaum diskutiert bzw. besprochen.
  • Und so schnell kann man gar nicht schauen, ist dann eine Stunde vorbei und man verabschiedet sich von den Prüfern.
  • Zu diesem Zeitpunkt erfährt man noch keines der Ergebnisse (weder schriftlich, praktisch oder mündlich). Treffpunkt 17:00 für die Zeugnisvergabe. Da ich zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht wusste, dass es grundsätzlich ein gutes Zeichen ist, wenn nicht über die Fotos gesprochen wurde, konnte ich überhaupt nicht einschätzen welche der Prüfungen ich bestanden hatte.
  • Damit die Zeit bis 17:00 schneller verging, überlegte ich mir ein Rahmenprogramm. Da zur selben Zeit auch die World Press Photoausstellung in Innsbruck stattfand, nutzte ich diese Gelegenheit sofort. Die Fotos sind heuer wirklich genial geworden und falls ihr noch irgendwie die Möglichkeit habt diese Live anzusehen, kann ich das nur sehr empfehlen. Ansonsten kann man die Fotos auch auf der Webseite ansehen. Es wirkt halt 1000x besser, wenn man vor einem 1 x 1,5m großem Bild steht, als wenn man sie die Fotos nur auf der Webseite ansieht.
  • Um Punkt 17:00 war ich wieder im Wifi. Wir warteten dann noch ca. 1 1/2 Stunden bis wir dann endlich zur Zeugnisvergabe hineingebeten wurden.
  • Bevor man jedoch die Zeugnisse bekommt, wird einmal eine lange Rede gehalten. Zwei Punkte wurden hier besonders hervorgehoben. Die Fotografie im Allgemeinen aber auch speziell in Österreich hat sich in den letzten paar Jahren einen sehr starken Wandel unterzogen. Zum einen ist es mittlerweile nicht mehr so, dass man die Meisterprüfung als das Ende der Ausbildung betrachten darf. In den 70er-90er hat sich technisch so gut wie nichts an der Fotografie geändert, bis dann die digitale Fotografie ihren Siegeszug antrat. Das hat unter anderem auch zur Folge, dass sich die Arbeitsweisen als Fotograf praktisch von heute auf morgen geändert haben. Daher ist heute die Meisterprüfung sicher nicht das Ende der Ausbildung sondern erst der Beginn einer langen und spannenden Reise. Zum anderen hat sich vor allem rechtlich viel in Österreich getan. Bis vor kurzem war es so, dass mit der Meisterprüfung entschieden wurde, ob diejenige Person den Beruf Fotograf ausüben darf oder nicht. Letztes Jahr gab es eine Änderung, wodurch es nun jedem möglich ist, das Freie Gewerbe „Pressefotograf und Fotodesigner“ anzumelden. Das heißt, dass bis vor kurzem die Meisterprüfung für manche auch eine existenzentscheidende Prüfung war. Da dies heute nicht mehr der Fall ist, wird heutzutage noch mehr darauf geachtet, dass die Person die nötigen Voraussetzungen für den „Meistertitel“ erfüllt. Der „Meistertitel“ soll verstärkt ein Qualitätsmerkmal sein. Aus diesem Grund wurde die Messlatte im letzten Jahr deutlich höher gelegt, was in sich auch in der Erfolgsquote niederschlägt.
  • Nach der langen Rede wurde dann mit der Zeugnisvergabe begonnen.
  • Der erste wurde aufgerufen und hat alle 3 Zeugnisse überreicht bekommen.
  • Danach folgten leider 6 Prüflinge, welche „nur“ 2 Zeugnisse erhalten hatten.
  • Und wie könnte es anders sein, war ich der letzte der noch über geblieben ist. Ich war ziemlich nervös und konnte es kaum erwarten das Ergebnisse meiner 3 Prüfungen zu erfahren.
  • Und obwohl seitdem bereits eine Woche vergangen ist, habe ich noch immer nicht wirklich realisiert, dass ich alle 3 Teile bestanden habe.

Heute möchte ich euch auch das erste Foto von meiner Meisterprüfung herzeigen. Ich bin gespannt, wie es euch gefällt.

Die Aufgabe dieses Fotos war es, eine Lebensmittelaufnahme verwendbar für ein Kochbuch, Gastronomieinserat, Speisekarte o.Ä.. zu erstellen.

Der Weg zum Meister

Das „fast“ im ersten Satz bezieht sich darauf, dass für das „Tragen des Meistertitels“ ein Gesamtzeugnis erforderlich ist, welches unter anderem auch die Absolvierung des Ausbilderkurses inkl. Fachgespräch voraussetzt. Dieses wird in den nächsten 4 Wochen noch gemacht.

Ich möchte hier auch noch einmal die Möglichkeit nutzen, mich bei allen zu bedanken die mich in den letzten 2 Jahren unterstützt und ermutigt haben, diesen Weg zu gehen. Dazu gehören natürlich auch die fleißigen Leser meines Blogs. Eine Person möchte ich ganz besonders hervorheben. Wie könnte es anders sein: natürlich meine liebe Frau Marie, die mich bei jeder Entscheidung voll unterstützt war und mich immer wieder aufs neue motiviert hat. Und dass sie nicht geschimpft hat, als die letzten Wochen vor der praktischen Prüfung unser ganzes Wohnzimmer mit Fotoequipment und Lernsachen vollgeräumt war. :-)

Wie es nun weitergeht, werde ich euch im nächsten Blogeintrag verraten. So viel darf ich schon mal sagen. Wer nächstes Jahr heiratet und noch auf der Suche nach Hochzeitsfotografen ist, ist bei uns genau an der richtigen Stelle.

lg
Euer Michael

Ich hasse diese Wegwerfgesellschaft …

Ja … ich verwende bewusst dieses starke Wort „Hass“. Mich nervt es einfach, wenn ein Teil kaputt geht und man es anstatt zu reparieren/reparieren zu lassen, ein Neues kauft, „weil es eh günstiger“ ist. Letztens stand ich selbst vor diesem Problem. Mein Laserdrucker erzeugte seit geraumer Zeit sogenannte Phantombilder und war somit für schöne Ausdrucke oder geschweige denn Firmenrechnungen unbrauchbar geworden. Wie könnte es anders sein, befand ich mich bereits außerhalb der Garantiezeit und ich hätte auch nicht gewusst, an wen ich mich bezüglich einer Reparatur wenden könnte. Mit der Zeit hatte ich mich damit abgefunden und verwendete den Drucker nur für unwichtige Drucke wie z.B. Wegbeschreibungen etc.

Als ich mich für die Meisterprüfung vorbereitet habe, musste ich mich unter anderem mit diversen Druckverfahren auseinandersetzen. Unter anderem auch mit dem Druckverfahren von Laserdruckern. Durch das neu erlangte Wissen, hatte ich eine Vermutung, woran dieser Phantombilder liegen könnte. Eigentlich konnte es nur an der kaputten Reinigungseinheit auf der Trommel von der Belichtereinheit liegen. Nach einer kurzen Recherche fand ich auch dieses Ersatzteil für meinen Drucker im Internet und bestellte es mir mit der Hoffnung das Problem beheben zu können. Ich zerlegte meinen Drucker und baute dieses Teil ein. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich darüber gefreut habe, als die erste Seite druckfrisch aus dem Drucker kam und kein Fehler ersichtlich war.

In diesem Fall hatte ich wirklich das Glück, dass ich 1. das Wissen darüber hatte bzw. angeeignet hatte, wie man das Teil reparieren kann. Und 2. gab mir der Druckerhersteller dank seiner Konstruktion und passender Ersatzteile die Möglichkeit das Teil auch zu reparieren.

Und gerade der 2. Punkt ist etwas, was aktuell von immer mehr Herstellern bewusst verhindert wird. Zum einen werden teilweise die Produkte so konzipiert, dass sie nach x Jahren ihren Geist aufgeben, und zum Anderen werden die Produkte so zusammengebaut, dass eine Reparatur erschwert oder verhindert wird.

Um dieser Wegwerfgesellschaft ein wenig entgegenzuwirken, haben sich besonders in den USA, aber mittlerweile auch in Europa, Gruppen zusammengetan, die für diverse Produkte Reparaturanleitungen inkl. Werkzeug und Ersatzteillager sorgen. Eine von diesen Community nennt sich „I fix it“- http://www.ifixit.com/ Diese Community hat unter anderem sehr viele Anleitungen, wie man ein defektes IPhone, IPad öffnen und einzelne Teile ersetzen kann. Die Idee ist super!

Das Problem: Apple möchte nicht, dass andere Firmen, geschweige denn Privatpersonen, an ihren Geräten herumbastelt. Wie im Artikel von der Futurezone zu lesen ist, hat nun das neueste IPad viel zu viel Klebstoff, welches die Reparatur erschwert.

In den letzten Jahren haben sich bei mir zu Hause immer mehr Apple Geräte gesammelt, da ich vom Bedienkonzept und der Benutzerfreundlichkeit dieser Geräte begeistert bin. Ich habe auch kein Problem damit, dass ihre Software ein geschlossenes System ist – ist ja mitunter ein Grund, warum die Usability so gut ist. Was mich aber stört, ist die Tatsache, dass hier bewusst versucht wird Reparaturen zu erschweren. Aus diesem Grund lasse ich mich nicht mehr „verapplen“ und werde mich langsam von meinen Apple Produkten lösen und mich nach Alternativen umsehen. Dank der geplanten Obsoleszenz sollte dieser Prozess in spätestens 2 Jahren abgeschlossen sein.

Ich träume von einem Laden, wo ich mit meinem defekten Elektrogerät (egal ob PC, Drucker, Fotoapparat, Fernseher, Handy …) hingehen kann und dieses Teil repariert wird. Ich nenne diesen Laden „Reparatur-Werkstatt“.

Mit der Reparatur meines Laserdruckers habe ich den ersten bewussten Schritt weg von dieser Wegwerfgesellschaft gemacht und ich hoffe, das ich noch viele weitere Schritte in diese Richtung machen werde und mich einige von euch auf diesem Weg begleiten werden.

lg
euer Michael