Archiv für den Monat: Juni 2012

Camera Obscura …

… oder wie man mit einer Unterhosenschachtel ein Portrait macht.

Man nehme:

  • eine lichtdichte Schachtel
  • ein lichtempfindliches s/w Fotopapier
  • eine Nadel
  • einen Joghurtdeckel
  • schwarzes Klebeband

Man:

  • macht mit der Nadel ein Loch in den Joghurtdeckel.
  • schneidet ein kleines Loch aus der Schachtel und klebt den Joghurtdeckel über das Loch.
  • dichtet das Loch des Joghurtdeckels mit dem schwarzen Klebeband ab.
  • geht in einen ganz ganz dunklen Raum und legt das lichtempfindliche Fotopapier auf die gegenüberliegende Seite des Loches.
  • geht dann ins Freie, stellt sein Model in die Sonne und bittet es ruhig zu sitzen.
  • richtet dann die Schachtel auf das Model und entfernt das schwarze Klebeband.
  • wartet 20-30 Sekunden.
  • klebt das Klebeband wieder vor die Öffnung und geht in den zuvor genannten dunklen Raum.
  • nimmt dort das Fotopapier aus der Schachtel und legt es 60 Sekunden in den Entwickler, 15 Sekunden in Essigwasser, 30 Sekunden in den Fixierer und 120 Sekunden ins Wasser.
  • freut sich, sein erstes selbstgemachtes Foto mit der selbst gebauten Kamera in der Hand zu halten.

Wie geil ist dass denn? Ich habe es selbst nicht glauben können, dass man mit so einfachen Mitteln ein verhältnismäßig scharfes und detailreiches Foto in der Hand halten kann. Und das aus einer Unterhosenschachtel!!! Einfach unglaublich und faszinierend:

Wenn man das Bild betrachtet, fällt einem auf, dass es einerseits ein Negativ ist (die hellen Flächen erscheinen dunkel und umgekehrt) und andererseits auch spiegelverkehrt ist.

In Zeiten wie diesen ist das zum Glück überhaupt kein Problem mehr. Einmal geschwind in Photoshop geladen, das Bild invertiert und die Arbeitsfläche horizontal gespiegelt ergibt folgendes Bild:

Damit das ganze auch wirklich ein schönes S/W Portrait wird, habe ich das Bild noch in S/W konvertiert und ein wenig an der Gradationskurve gedreht:

Also ich muss schon sagen, dass hat etwas! Seine eigene Kamera zu basteln und dann auch noch die Fotos selbst zu entwickeln. Es hat echt viel Spaß gemacht und nochmal ein riesen Dankeschön, an alle Beteiligten.

lg
euer Michael

Fotoexperiment – Stille Post

Ich habe auf einem Blog (http://birgitengelhardt.de/blog/2011/06/grosse-fotoaktion-stille-post-anmeldethread/) einmal von einem Projekt gelesen, wo versucht wurde, das Kinderspiel „Stille Post“ in die Fotografie umzusetzen. Und zwar hat das Ganze so funktioniert, dass der erste Teilnehmer ein Foto gemacht hat und es an die nächste Person geschickt hat. Diese Person sieht sich dann das Foto an und nimmt sich 1 Aspekt aus diesem Foto heraus und macht dann basierend auf diesem ebenfalls ein Foto. Dieser Vorgang wiederholt sich so lange, bis alle Teilnehmer einmal an der Reihe waren.

Ein möglicher Aspekt könnte sein:

  • Motivwahl
  • Formen
  • Farben
  • Bildgestaltung
  • Bildstimmung
  • Lichtgestaltung

Die Idee hat mir so gut gefallen, dass ich sie ebenfalls mit meinen Kollegen und Kolleginnen von der Fotoschule ausprobiert habe.

Die Teilnehmer musste auch noch folgende Fragen beantworten:

  • Was hat mir an dem zugeschickten Foto besonders gefallen?
  • Welchen Aspekt aus diesem Foto habe ich mir herausgesucht, um mein eigenes Foto zu fotografieren?

Die Fotos und die Antworten könnt ihr hier bewundern:

Das Anfangsfoto habe ich selbst geschossen und ist während eines Spazierganges entlang des Kritzendorfer Strombades entstanden. Ich habe bewusst eine geringe Schärfentiefe gewählt und wollte die gegenüberliegende Donauuferseite nicht auf das Bild nehmen, damit dem Betrachter die Illusion gegeben wird, dass es sich hier auch um einen Strand am Meer handeln könnte.

Michael Bösendorfer

Karin Steiner:

Was hat mir an dem zugeschickten Foto besonders gefallen?
Dass der Vorder- und Hintergrund unscharf ist, dass ein Bildausschnitt genommen wurde, der nicht den Himmel umfasst (wie das normalerweise bei Strand-Gewässerbildern der Fall ist), sondern nur Steine und Wasser.

Welchen Aspekt aus diesem Foto habe ich mir herausgesucht, um mein eigenes Foto zu fotografieren?
Auf etwas zu fokussieren, auf dass man normalerweise nicht fokussiert, einen Teil im Bild unscharf zu lassen, die runde Nieten haben auch eine runde Form so wie die runden Steine.

Karin Steiner

Julia Sommer:

Es ist die Blendensache mit vorne und hinten unscharf perfekt gelungen und der Bildausschnitt ist auch sehr interessant und gut gewählt. Außerdem kann man nur rätseln, worum es sich eigentlich dabei handelt – Backwerk vielleicht?! Spannend!

Ich habe mir den Aspekt „technische Bildgestaltung“ ausgesucht. Du sagst „Blende“ ich antworte mit „Verschlusszeit“!

Julia Sommer

Manuela Offenzeller:

Was hat mir an dem zugeschickten Foto besonders gefallen?
„Fließender“ Wasserfall über Geländeabruch – Bildaufbau mit Stein und Wasserloch ergibt ein X

Welchen Aspekt aus diesem Foto habe ich mir herausgesucht, um mein eigenes Foto zu fotografieren?
Fallendes Wasser

Manuela Offenzeller

Elisabeth Scheiring:

Besonders inspiriert hat mich zum einen die ausgezeichnete Lichtsituation, die wiederum der Phantasie des Betrachters freien Lauf lässt bzw. zum anderen die Schönheit der Natur und ihre Formungen.

Ich habe mich für den Aspekt des „Wassers“ und der „Natur“ entschieden und dazu gestern am See eine Seerose gefunden.

Elisabeth Scheiring

Ruben Gutzat:

Also am besten haben mir natürlich die Fliegen gefallen die sich im inneren der Seerose tummelten, zumal das ja nicht unbedingt was ist was man mit Seerosen assoziiert und deswegen einen netten Kontrast gibt.

Und das Fliegen-Thema wollte ich auch in meinem Foto haben!

Ruben Gutzat

Andrea Poschalko:

Besonders gefallen am zugeschickten Foto hat mir die „Schönheit des alltäglichen Schnappschusses“

Inspiriert hat mich einerseits die Skurrilität des Fotos und andererseits habe ich mir das Thema „Fliegen und Vergänglichkeit“ herausgegriffen.

Andrea Poschalko

Isabella Rauch:

Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, mit diesem Bild etwas anzufangen. Die Farben sind angenehm, könnten vielleicht etwas stärker sein.

Jedoch habe ich mich schnell als Referenz für mein Bild das Huhn gewählt. Mein Thema im Bild … Eier -> stammen vom Huhn.

Isabella Rauch

Michael Bösendorfer:

Mir hat sehr gut die Bildkomposition gefallen. Besonders die geringe Schärfentiefe hat es mir angetan.

Ich habe mir einerseits den Aspekt des Ei’s herausgeholt und natürlich durfte die geringe Schärfentiefe in meiner Bildkomposition auch nicht fehlen.

Michael Bösendorfer

Mir hat das ganze Experiment sehr viel Spaß gemacht und ich möchte mich hier noch einmal herzlich bei allen Teilnehmern bedanken. Ohne Euch wäre dieses fantastische Experiment in dieser kurzen Zeit nicht möglich gewesen! Wie hat euch die Geschichte gefallen?

lg
Euer Michael

Vollautomatik: R.I.P.

Heute möchte ich euch anhand ein paar Beispielbilder zeigen, welche Auswirkungen Blende und Brennweite auf ein Motiv haben. Hierfür habe ich das selbe Motiv mit unterschiedlichen Blendenöffnungen und Brennweiten formatfüllend fotografiert. Damit mir das gelingt, musste ich bei jedem Objektivwechsel mich immer weiter vom Motiv entfernen. Seht selbst, welche Auswirkungen die unterschiedlichen Einstellungen auf das Endergebnis haben:

In der ersten Reihe wurde ein Weitwinkel Objektiv mit 12mm Brennweite verwendet. Hier erkennt man sehr gut, dass die Schärfentiefe auf allen Bildern sehr hoch ist. Somit spielt die Schärfentiefe bei Weitwinkelaufnahmen nur eine untergeordnete Rolle. (Blendenwerte: 4,5 – 11 – 22)

Die zweite Reihe wurde mit einem Normal Objektiv aufgenommen. Die Auswirkungen der größeren Brennweite (50mm) und auch die Schärfentiefe sind hier deutlich erkennbar. (Blendenwerte: 2,8 – 11 – 22)

In der dritten Reihe wurde ein Tele Objektiv (300mm) benutzt. Hier sieht man sehr gut, wie der Hintergrund immer größer wird und näher an das Hauptmotiv rückt. Die Schärfentiefe hat bei einem Zoomobjektiv die größte Auswirkung.(Blendenwerte: 5,6 – 11 – 45)

  • Die Blende beeinflusst die Schärfentiefe.
  • Die Brennweite beeinflusst die Perspektive.

Wenn ihr nun auch die Schärfentiefe bei euren Fotos bewusst einstellen wollt, empfehle ich, dass ihr bei eurer Kamera einfach das Rädchen weg von der Vollautomatik auf A oder Av (auch Zeitautomatik genannt) stellt und die gewünschte Blende wählt. A bzw. Av stehen für Aperture value (Englisch für Blendenwert).

Merksatz: 

Kleine Blendenzahl = kleine (geringe) Schärfentiefe

Große Blendenzahl = große Schärfentiefe

lg
Euer Michael

24h in Washington

Eines gleich einmal vorweg: 24h sind für einen Fotografen wie mich eindeutig zu wenig. Es reicht um einen guten Überblick von Washington zu bekommen aber so Spielereien wie Nachtaufnahmen, Zeitrafferaufnahmen oder Zeit um stundenlang vor einer Sehenswürdigkeit zu verbringen bleibt leider keine.

Nach meinem ersten Business Class Erlebnis sind wir mehr oder weniger ausgeruht am Nachmittag am Washington Dulles Airport angekommen.

Wenn man schon nur 24h in Washington verbringt, sollte man sich sein Hotel mit zentraler Lage aussuchen. Für uns war eine gute Anbindung an den Flughafen und an das öffentliche Verkehrsnetz (sprich Metro) wichtig. Dadurch haben wir uns für das L’Enfant Plaza Hotel entschieden, da der Airport Bus seine Endstation direkt vor dem Hotel hatte und man die U-Bahn bequem über einen Aufzug im Hotel erreichen konnte.

Als begeisterter Basketball Fan durfte der Besuch eines NBA Spiels natürlich nicht fehlen. So kam es, dass wir uns nach dem Check-In im Hotel gleich in die Metro in Richtung Verizon Center geschmissen haben. Vor dem Stadion wurde bereits kräftig Stimmung gemacht.

Das Stadion selbst ist einfach gigantisch. Im Gegensatz zum Dukes Castle, wo man aus der letzten Reihe noch einen sehr guten Blick auf das Spielfeld hat, kann man im Verizon Center aus der letzten Reihe kaum mehr den Ball erkennen. Eines muss ich auch noch sagen: Die Stimmung im Dukes Castle ist ohne zu übertreiben, 1000 mal besser als bei einem NBA Spiel. Ein Erlebnis ist es aber alle mal.

Nach dem Match ging es dann wieder zurück ins Hotelzimmer, da wir am nächsten Tag ja früh aus dem Hotel wollten, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Folgende Sehenswürdigkeiten haben wir genau in dieser Reihenfolge besucht:

  • Kapitol
  • Washington Monument
  • Weiße Haus
  • World War 2 Memorial
  • Lincoln Memorial
  • Korean War Veterans Memorial
  • Nationalfriedhof Arlington

Unser erster Weg führte uns gleich zum Kapitol. Eigentlich war es das ideale Wetter und der ideale Ort um eine Zeitrafferaufnahme zu starten, jedoch wurde ich beim Aufbau meines Stativs gleich von einer Aufsicht zurückgepfiffen, da man ohne Genehmigung keine Aufnahme mit Stativ machen darf.

Deshalb ging es weiter zum Washington Monument und dann gleich direkt zum weißen Haus.

Am Weg zum Lincoln Memorial sind wir auch gleich beim World War 2 Memorial vorbeigegangen. Ich muss sagen, die Amis habens das Memorial-Bauen schon sehr gut drauf. Sie geben sich nicht mit einer einfachen Statue zufrieden, sondern gestalten gleich ein ganzes Areal.

Das Lincoln Memorial ist sicher schon 100.000 Mal fotografiert worden und jeder kennt die Frontalaufnahmen von dem „Mann auf dem Stuhl“. Daher wollte ich ihn mal von einer anderen Perspektive ablichten: über eine Detailansicht des Kopfes und eine Seitenansicht.

Noch beeindruckender als das World War 2 Memorial war das Korean War Veterans Memorial. Direkt in einen kleinen Park nebem dem Lincoln Memorial, sind lebensgroße Statuen aufgestellt worden, deren Gesichtsausdrücke die Anstrengungen des Krieges und die Ängste der Soldaten sehr gut nachvollziehbar machen.

Die letzte Station in Washington war für uns der Arlington Friedhof mit seinen berühmten weißen Grabsteinen. Die exakten Reihen von identischen Grabsteinen erinnern so gar nicht an europäische Friedhöfe. Das Fotografieren war hier gar nicht so leicht, weil die Rasenflächen alle abgesperrt sind und das Betreten eigentlich nicht gestattet ist. Trotzdem sind mir glaube ich ganz gute Aufnahmen gelungen, die den Charakter des Friedhofs widerspiegeln.

Nach dem Arlington Friedhof ging es dann direkt zurück ins Hotel und zurück zum Flughafen, wo wir unser Mietauto und den Bruder der Braut abgeholt haben. Aber das ist eine andere Geschichte 😉

Abschließend noch ein paar Tipps für euren nächsten Washington Trip:

  • Um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abzuklappern, reichen 24h. Washington ist jedoch auch für seine Museen sehr bekannt und wenn man auch noch andere Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel das Pentagon oder das älteste Haus in Georgetown besuchen möchte, sind 2-3 Tage sicher angebracht.
  • Wir sind bei unserer Sightseeing-Tour wirklich alles zu Fuß gegangen, nur für den Weg vom Arlington Friedhof zum Hotel haben wir uns für die Metro entschieden, da uns schon die Füße geschmerzt haben. Wenn ich erneut nach Washington fahre, werde ich mir wahrscheinlich ein Ticket für so einen Touristen „Hop on Hop off“ Bus leisten, da fast vor jeder Sehenswürdigkeit eine dieser Bushaltestellen ist. Das Problem mit der Metro ist, dass sich fast keine der Metrostationen direkt vor den Sehenswürdigkeiten befindet und der Weg von und zu einer Station fast genauso weit wie der direkte Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit ist.
  • Wenn man schon einmal in Amerika ist, und unbedingt ein NBA Spiel hautnah miterleben möchte, macht es sicher Sinn, mehr Geld für Tickets in einen der vorderen Sektoren in die Hand zu nehmen.
  • Jeder weiß, dass die Amerikaner nicht unbedingt für eine solide Bauweise bekannt sind. So kam es, dass die Fenster in unserem Hotel nicht ganz dicht waren und wir im 11. Stock den Straßenlärm ganz gut mitbekommen haben. Daher meine Emfpehlung: Oropax mitnehmen.
  • Jeder sollte einmal in seinem Leben Business Class geflogen sein :-)

lg
euer Michael